Artikel
erschienen am 7. Sep 2003
Nicht nur
Fisherman's Friend
Die Noordkaper 40 sieht aus wie ein
Schiff aus den 20er-Jahren. Doch die Planken sind nicht aus Holz,
sondern aus modernem Baustahl
Bei einer Begegnung auf dem Wasser
mit Segelyachten vom Typ Noordkaper kommt Nostalgie auf. Die Yachten mit
ihrem hohen Freibord, dem fast geraden Steven, dem klassischen
Spiegelheck und dem kastenförmigen Deckshaus scheinen aus einer Zeit zu
stammen, in der es bei Segelschiffen nur auf Sicherheit und nicht auf
Eleganz und Schnelligkeit ankam. Sie erinnern an die Bootsbauepoche
Anfang des 20. Jahrhunderts, als beispielsweise Fischer mit derartigen
Segelbooten bei fast jedem Wetter auf der Nordsee kreuzten. Die Boote damals waren aus dicken
Planken gebaut, und da beginnt der Unterschied zu den neuen Noordkapern,
die in der Werft Jachtbouw & Scheepstechnischer dienst, Gebr. van
Enkhuizen, im niederländischen Makkum entstehen - Rumpf, Deck und
Deckshaus werden aus Schiffsbaustahl gefertigt. Denn für viele Fahrtensegler mit
Ambitionen auf eine Weltumseglung ist Stahl das immer noch sicherste
Yachtbaumaterial - und dies natürlich auch für Werftchef Ronald C. van
Enkhuizen, der die kleine Stahlyachtwerft vor elf Jahren gegründet hat.
Damals startete er mit dem Bau von seetüchtigen Stahlmotoryachten des
Typs Noorderkotter. Erst vor einigen Jahren wurde das Angebot durch
Segelyachten ergänzt. Die Produktion erfolgte nach Wünschen von
Seglern, für die es kaum noch Stahlserien-yachten gibt. "Holz und Kunststoff können
splittern, Aluminium reißt bei einer Kollision. Ein Stahlboot kriegt
aber nur eine Beule", erklärt Ronald C. van Enkhuizen, als er der
WELT am SONNTAG seine Noordkaper 40 vorstellt, und macht damit auch
seine persönliche Intention deutlich, sich für den Bau von
Stahl-yachten entschieden zu haben. Von der 11,95 Meter langen Yacht, die
zweitkleinste in der Noordkaper-Reihe, sind bisher vier gebaut worden.
Die Stahl-yachtenserie beginnt bei 10,60 Meter (35er) und endet in der
60-Fuß-Klasse (18 Meter Länge) als Noordkaper 60. Die Yachten sind so
genannte Semi-Custombuilt-Boote, deren Einrichtung weitgehend von den
Eignern individuell gestaltet werden können. Als Designer für die
Noordkaper zeichnet das niederländische Konstruktionsbüro Bekebrede
verantwortlich, das zwar die alten Boote aus der Fischerei zum Vorbild
genommen hat, aber moderne Erkenntnisse des Yachtbaus und der Strömungslehre
einfließen ließ. So sind Noordkaper so etwas wie moderne Langkieler
mit weit ausholendem runden Spant. Die nur knapp zwölf Meter lange
Noordkaper ist vier Meter breit. Als Extra - und damit war unser
Testschiff ausgerüstet - gibt es ein Schwert, das aus dem langen Kiel
abgesenkt werden kann. Unser Testschiff präsentierte
erstaunlich gute Segeleigenschaften, obwohl es immerhin 16 Tonnen verdrängt.
Bei Windstärke drei bis vier übersprang die Logge auf idealen
Halbwindkursen mit der gesamten gesetzten Segelfläche von 98
Quadratmetern, die sich auf Großsegel, Fock und Klüver verteilt,
schnell die Sechs-Knoten-Marke (fast 12 km/h). Die Yacht mit der
Wasserlinie von 10,60 Metern lief dabei geradeaus wie auf Schienen. Bei
Kursen hoch am Wind zeigte das 2,20 Meter tief gehende Schwert seine
Wirkung. Die Geschwindigkeit reduzierte sich, allerdings lief die Yacht
für einen Langkieler erstaunlich große Höhe. Werftchef van Enkhuizen
versicherte zwar, dass die Noordkaper erst bei mehr als vier Beaufort so
richtig in ihrem Element ist, er wies jedoch auch darauf hin, dass die
Yacht für lange Seereisen konzipiert wurde, und da komme es vor allem
auf eine gute Durchschnittsgeschwindigkeit an. Dass die Noordkaper 40 als eine Yacht
gedacht ist, mit der man lange Reisen unternehmen kann, zeigt sich unter
Deck. Durch die große Breite präsentiert sich das sorgfältig in Teak
ausgebaute Boot als Raumwunder. Das wird besonders in der Eignerkammer
im Vorschiff deutlich, zu der eine separate Dusche und eine Toilette gehören.
Für Gäste gibt es eine Kabine mit einer Doppelkoje im Achterschiff.
Besonders großzügig ist auch der Salon mit Pantry und Schreibtisch für
die Navigation ausgefallen, in dem es außerdem einen Esstisch und ein
L-Sofa gibt. Dabei wird sich die Crew vermutlich viel häufiger im
Deckshaus mit seiner Rundumsicht aufhalten. Hier passen bis zu fünf
Personen um den Tisch und es gibt sogar noch Platz für einen
Innensteuerstand. Wenn die Segel eingestellt und die Winde beständig
sind, kann die Yacht auch von hier gesteuert werden. Das wird vermutlich
immer dann geschehen, wenn es draußen zu kalt ist. Die Eigner der
Yachten können somit durchaus Wintertörns planen, denn die Noordkaper
machen ihrem Namen alle Ehre: Sie sind wintertauglich. So hatte unser
Testschiff einen Dieselofen, der die Yacht zusammen mit der Isolation
des Stahlrumpfes auch in der kalten Jahreszeit bewohnbar macht. Die
Segelyacht kostet rund 380 000 Euro. |